Die hier versammelten Texte des späten 15. Jahrhunderts aus Erfurt, Lübeck und Hildesheim haben zwei Gemeinsamkeiten: Sie behandeln eine zentrale Tugend, die
gerechticheyt oder
rechtferticheyt, und sie leisten eine Anbindung dieser Tugend an unterschiedliche Stände und Gruppen. Daran kann die Transformation sozialer und moralischer Ordnungsformationen im Spätmittelalter gezeigt werden.
Mit der neuedition des
Gedichts von der Gerechtigkeit, der Inkunabel
Henselyns bok und des Traktats
Kopenschopp to voren liegt nun für alle drei Texte eine kritische Ausgabe vor, die Überlieferung, Forschungsgeschichte und literarische Vorbilder gemeinsam bietet und damit bisher wenig beachtete Texte der laiendidaktischen Literatur leicht zugänglich macht. Die Untersuchung klärt die jeweiligen Bedeutungen und Implikationen der zentralen Tugend und leistet damit einen Beitrag zur Semantik der spätmittelalterlichen Volkssprachen.